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Ein Kardinal kehrt heim

Christoph Schönborn erinnerte sich im Heimatmuseum Schruns an seine Zeit im Montafon

Adi Fischer mit Philipp, Eleonore und Christoph Schönborn sowie Andreas Rudigier (v. l.). (Foto: meznar-media.com)

Schruns. Ein Sohn kehrt heim. Bevor Kardinal Christoph Schönborn auszog, um als einfacher Bauer im Weinberg des Herrn zu dienen, genoss er seine Jugend im Montafon und in Bludenz. Jetzt war er wieder zu Hause. Im Gespräch mit TV-Journalist Adi Fischer sprach der Kardinal im Montafoner Heimatmuseum Schruns über das Thema „Heimat“. Ausführlich. Amüsant. Ernst. Nachdenklich. Rückblickend. Visionär. Religiös.

Erinnerungen

Der Kardinal erinnerte sich beispielsweise daran, wie er als Kind einst im Heuhaufen der Marents (Nachbarn) spielte, oder unter Bertram Jäger in der Bludenzer Heilig-Kreuz-Kirche ministrierte. Für ihn bedeute Heimat schlicht und einfach Schruns. „Ich erinnere mich noch genau an jenem Karfreitag 1951, an dem wir auf unserer Flucht in Schruns angekommen sind. Ich habe alles vor Augen, den Duft von damals in der Nase. Wir waren acht Personen und hatten eine Wohnung in der Flurstraße. Zwei Zimmer, zwei Kammern und eine Küche. Aber es kam mir riesig vor. Und dann sagte meine Mutter diesen Satz: Jetzt haben wir endlich eine eigene Wohnung.“

Spannendes Leben

Adi Fischer genoss das Gespräch mit Schönborn sichtlich und das lockere Gespräch streifte den bevorstehenden Wiener Wahlkampf genauso („Es wird eine Schlammschlacht werden!“), wie die Minarette-Debatte oder den Schönborn Beitrag in der New York Times mit dem er ganz bewusst in Kauf nahm, angegriffen zu werden. „Fehlinterpretationen muss man in Kauf nehmen, wenn man etwas pointiert formuliert“, meinte er kurz dazu.
Dass das Leben von Kardinal Schönborn ganz schön spannend ist, zeigen allein ein paar Stichworte: Flüchtlingskind. Aus einer starken Familie. Mit mehreren Bischöfen und zwei Kardinälen. Jugend im Montafon verbracht. In der Schweiz gelebt, Erzbischof von Wien. Vatikan-Hoffnung mit Papst-Qualitäten. Aber wussten Sie auch, dass der Erzbischof privat mit dem Anti-Baby-Pillen-Erfinder Carl Djerassi befreundet ist. „Passt irgendwie gar nicht zur Kirche. Aber wir haben uns kennen gelernt und kommen gut miteinander klar.“

Schönborn-Fokus

Mit dem gelungenen Gesprächsabend ist der Schönborn-Focus im Heimatmuseum aber noch nicht zu Ende. Am 4. Februar wird der Film „Die Brüder Schönborn. Zwei Künstler und ein Kardinal“ von Claus Singer (Bayerisches Fernsehen) im 19.30 Uhr gezeigt. Darin wird auch der in Schruns geborenen Michael Schönborn (Schauspieler) portraitiert. Philipp Schönborn führt dann am 4. März um 19.30 Uhr durch seine Ausstellung, die am 10. April um 11 Uhr mit einer Wanderung am Innerberg unter der Führung des Künstlers endet. Bis dahin ist die Ausstellung dienstags und samstags 15 bis 18 Uhr im Schrunser Dorfzentrum geöffnet.


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